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Gefühlsmanagerin und Sportkommentator: Was Männer und Frauen in Gesprächen bewegt

Frauen reden über Gefühle, Männer über Geldanlagen*. Frauen interessieren sich für soziales Miteinander, Männer für rivalisierendes Übereinander. Frauen klären über das Reden Beziehungen, Männer reden über die Bundesliga und klären ihre Rangordnung. So weit, so bestätigte Klischees. Die große Frage aber lautet: Wenn die Geschlechter einander angeblich so wenig zu sagen haben, außer bei Gott, dem Wetter und dem Speiseplan*  – wie konnte die Menschheit bis heute überleben?!

Mit Liebe.

Die Liebe verwandelt einen Mann kurzfristig in eine Frau. Während der Phase der Verliebt­heit – von Neurologen auch „Zwangsneurose“ oder „hormoneller Gehirn­weichzeichner“ genannt – denkt er wie eine Frau, verhält sich wie eine Frau, und redet vor allem wie eine Frau. Er spricht über Gefühle so flüssig wie sonst über die Applications seines Multihandys, und wie ein Eskimo 125 Begriffe für Schnee kennt, so verfügt auch der verliebte Mann über die sprachliche Brillanz, hunderte Nuancen seines als auch ihres Gemütszustandes zu erkennen und zu formulieren. Mit dieser vorübergehenden Bewusstseinsstörung rettet er das Überleben seiner Spezies.

Nach etwa drei Monaten ist der Spuk vorbei. Nach dem Ausflug in die weibliche Sprachwelt der Empathie, Emotion, des kooperativen Intimstils – flüchtet der Mann zurück ins Männerland und die Sprache der Konkurrenz. Er zieht den Eisernen Vorhang des Schweigens vor alles, was irgendwie „emotional“  – also eine Schwäche* ist, und überlässt das Kommunikations­(minen)feld Gefühle, Beziehung, Partner­schaft und sonstige Intimitäten wie Familie, Kinder, Krankheiten und brrr, Kultur und Mode*, der weiblichen Innung, von der er annimmt, dass sie eh die Domäne „Gefühls­abgleich“ am liebsten betreibe*. Er genießt die Knapp­heit von Vier-Augen-Gesprächen am Tresen: „Und sonst?“ – „Muss ja. Und selbst?“ – „Jo, nützt ja nix“, und widmet sich ansonsten dem beliebten männlichen Kampf­sport Weiß-ich!-Pingpong. Welcher Verein wie viel Ablöse­summe für wen gezahlt hat, welcher Drei-komma-zwo-Liter-Motor so richtig Dampf unterm Kessel macht, was von Gutten­berg zu halten sei, wie es mit dem Dollar weitergeht: wenn Männer über ihre Lieblings­themen Sport, Autos, Technik, Politik und Wirtschaft reden, dann hört es sich oft so an, als ob sie sich duellieren! Wer weiß mehr? Wer vertritt seine Ansicht knackiger? Wer hält den längeren Monolog und kanzelt das Gegenüber rhetorisch bissiger ab?

Erfrischt von den frotzeligen Sitten seines Landes schaut er halb wehmütig, halb misstrauisch, ins Frauenredeland, wo sich vertraulich kichernd zueinander gebeugt wird. Reden die vielleicht…  über ihn? Etwa – über Persönliches?! Werte Herren: Aber natürlich tun wir das! So leidenschaftlich, wie Männer um Privates drum herum duellieren (und als zu privat kann schon die Frage: Wie geht’s dir? sein; da fragt Mann lieber: Und, läuft dein Wagen?) – so freimütig reden wir über Privatangelegen­heiten, auch die unserer Männer. Es ist eine Art lautes Nachdenken, das uns hilft, unsere Zweifel und Hoffnungen zu sortieren, unseren Kommuni­kations­stau aufzulösen, der sich neben einem Gefühlsverschweiger ebenso aufbaut, und unseren Alltagsfrust zu besänftigen. Im Prinzip dürfte jeder Mann dankbar für die beste Freundin seiner Liebsten sein, die ihm diese Gesprächstherapie abnimmt… Aber atmen Sie wieder durch, Herrschaften. Denn das tun wir nicht immer und auch nicht am liebsten: So sehr sich Klischee und Wahrheit zum Thema Männer­interessen/Fraueninteressen annähern – so ist der uns unterstellte Hang, ständig die Beziehung und Gefühls­kram zu bereden, ein Irrtum. Nicht mal jede zweite Frau redet „gern“ über Gefühle, und nur jede dritte thematisiert Partner­schaftsangelegenheiten* – wir sind loyal und heben uns Intimstes für Notfälle auf. Nein, zwischen Prosecco und Latte Macchiato finden wir Platz für unsere Familie aber auch Politik (27 %), Sport (25 %), Job (48 %) – durchschnittlich 11,4 Themen, um genau zu sein*, handeln wir ab. Gut, und ein bisschen die Liebe, den Retter der Menschheit.

*Gesprächskultur in Deutschland 2011: Typisch Frau, typisch Mann? Kommunikationsstile zwischen Klischee und Wirklichkeit, Institut für Demoskopie Allensbach 2011 für JACOBS Krönung; Kommunikationsstile: Typisch männlich – typisch weiblich?

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1 Kommentar

  1. Seaberg Online-PR
    sagte am Fr, 28.10.2011 um 4:14 pm - Permalink

    Ich verstehe nicht so ganz, warum diese Klischees immer wiederholt werden. Wir leben im 21. Jahrhundert, und da hat sich vieles verändert. Klar, je härter die Jobs sind, umso direkter ist der Stil (z.b. Vertrieb). Aber im Großen und Ganzen hat sich doch eher ein höflicher Business-Stil durchgesetzt. Und leider sind ja gerade die Frauen als Kollegen ” gefürchtet”, weil sie mit dem Wettbewerb oft schlecht klar kommen. Das sagen auch die meisten Frauen selber.

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